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Sind mehrere Mängel möglich, trägt Auftraggeber Beweislast!

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OLG Hamburg, Urteil vom 09.03.2005 - 13 U 19/01

Beruht der Mangel einer Leistung auf mehreren Ursachen, die teils der Besteller, teil der Unternehmer zu verantworten hätten, muss nach Abnahme der Besteller beweisen, dass keine in seinen Verantwortungsbereich fallende Ursache auch nur mitursächlich für den Schaden ist. Mit dieser Entscheidung hat das OLG Hamburg den Mangelanspruch eines Bauherrn verneint.

Zum Hintergrund: Ein neu verlegtes Buchenparkett auf Fußbodenheizung zeigte nach Abnahme breite Fugen. Für den Schaden kamen mehrere Ursachen in Frage: Holzfeuchte bei der Verlegung, unterschiedliches Quell- und Schwindmaß des Holzes, fehlender Versiegelungslack an den Seitenkanten (hätte der Bodenleger zu verantworten) sowie raumklimatische Verhältnisse, Feuchte aus dem Estrich, Oberflächentemperatur der Fußbodenheizung (hätte der Bauherr zu verantworten).

Der Bauherr sah einen Nacherfüllungsanspruch gegenüber dem Bodenleger als gegeben an, da zumindest ein Teil der Ursachen in seine Zuständigkeit falle. Im Übrigen ergäbe sich die Nachbesserungspflicht daraus, dass es inzwischen schadensverhindernde, Wasser abweisende Versiegelungslacke gäbe. Für diese Änderung der anerkannten Regeln der Technik habe der Bodenprofi einzustehen, argumentierte der Bauherr.

Dieser Logik verwehrte sich das Gericht. Angebote verbesserter Materialien auf dem Markt seien nicht mit einer Änderung der anerkannten Regeln des Fachs gleichzusetzen, begründete das OLG Hamburg. Außerdem hätte der Bauherr nach der Abnahme zu beweisen, dass keine in seinen Verantwortungsbereich fallende Ursache zum Schaden geführt hat. Das Urteil zeigt, wie wichtig es ist, möglichst schnell nach Fertigstellung einer Leistung die Abnahme herbeizuführen.

Quelle: www.thomsit.de
Doris Baumann Frank

Baurechtsurteile.de Beitrag 505
 
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