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Putzer haftet für Rohbaumängel

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OLG Stuttgart, Urteil vom 21.07.2004 - 3 U 19/04

Dass ein Handwerker nicht nur für Mängel an der eigenen Leistung haften muss, sondern darüber hinaus auch für die von anderen Handwerkern musste ein Putzer schmerzlich erfahren. Er wurde verurteilt, für die Mängel des vor ihm arbeitenden Rohbauunternehmers als Gesamtschuldner zu haften, d.h. auch für dessen Mängel finanziell einzustehen.

Das Problem:
An einem neu erbauten Zwei-Familien-Haus treten nach kurzer Zeit Risse im Außenputz auf und zwar auf Höhe der waagerechten Isolierungsschicht. In dem von dem Hauseigentümer angestrengten gerichtlichen Beweisverfahren werden zwei Ursachen für die Mängel festgestellt. Zum einen "ganz normale" Ausführungsmängel des Putzers. Der andere Mangel ist weit gravierender und vom Rohbauunternehmer zu verantworten.

Anstatt wie im Leistungsverzeichnis vorgegeben einen "Dachpappenstreifen" als Feuchtigkeitsisolierung einzubauen, verwendete der Bauunternehmer eine nur 0,4 mm dicke Kunststofffolie. Diese Folie hielt den auftretenden Kräften nicht stand und es kam zu den Putzrissen.

Das Urteil:
Nach Ansicht des Gerichtssachverständigen war die Leistung des Rohbauunternehmers nicht fachgerecht, da sie nicht den anerkannten Regeln der Technik entsprach. Denn die maßgebende DIN 18195 verlangt entweder eine besandete Bitumendachbahn oder eine Kunststofffolie mit einer Mindestdicke von 1,2 mm. Der Rohbauunternehmer hatte aber eine viel zu dünne Folie eingebaut und damit nicht fachgerecht gearbeitet. Damit war seine Leistung von vorn herein mangelhaft.

Dass der Putzer auch für die mangelhafte Leistung des Rohbauunternehmers als Gesamtschuldner haften muss, begründeten die Richter damit, dass es für eine so genannte Haftungsverbundenheit ausreiche, wenn die Ursachen für die Mängel in beiden Gewerken begründet sind und auch nur auf eine einzige Weise sinnvoll beseitigt werden können. In diesem Fall durch die Beseitigung aller Mängel, auch derjenigen, die der Putzer verursacht hatte, durch eine Putzerneuerung der gesamten Außenwände nach der Mängelbeseitigung an der Isolierung.

Der Meistertipp:
Der Putzer musste für die Fehler seines Vorunternehmers haften, da die Mängel beider in einem unmittelbaren Zusammenhang standen. Und zwar für Fehler, die dieser unter Missachtung der anerkannten Regeln der Technik gemacht hatte. Für viele Unternehmer ein nicht abzuschätzendes Risiko.

OLG Stuttgart, Urteil vom 21.07.2004, Az:3 U 19/04, rechtskräftig durch Beschluss des BGH vom 31.03.2005, Az.: VII ZR 210/04

Quelle: www.meistertipp.de

Baurechtsurteile.de Beitrag 487
 
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