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Home Architektenrecht Leistungspflichten Architekt haftet auch für fehlerhafte Statik

Architekt haftet auch für fehlerhafte Statik

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OLG Schleswig, Urteil vom 11.04.2006 - 3 U 78/03

Ein mit der Leistungsphase 8 beauftragte Architekt muss im Rahmen seiner Objektüberwachungspflicht Widersprüche zwischen Statik und Bewehrungsplänen erkennen und diese durch Nachfrage beim Statiker aufklären.

Dem Urteil des OLG Schleswig lag ein Architektenvertrag über ein Schwimmbad für ein EFH zugrunde. Mit der Statik beauftragte der Bauherr ein anderes Büro. Als das Schwimmbad später Risse zeigte, stellte sich heraus, dass der Statiker abweichend von seinen statischen Berechnungen nur eine 10-mm-Bewehrung statt einer 12-mm-Bewehrung vorgesehen hatte.
Das OLG meint zwar, vom Architekten seien die zur Überprüfung einer statischen Berechnung erforderlichen Spezialkenntnisse nicht zu erwarten. Auch habe der Architekt grundsätzlich den Statiker nicht dahin zu beaufsichtigen, ob er die ihm gestellte Aufgabe richtig gelöst habe. Aber der Architekt müsse aber - so das OLG - die Übereinstimmung der Ausführung des Objektes mit der Baugenehmigung, den Ausführungsplänen usw. zu überprüfen. Dazu habe er die zur Verfügung gestellten Planungs- und Ausschreibungsunterlagen auf Widersprüche zu untersuchen, was auch die statischen Unterlagen betreffe, insbesondere die Überwachung und Abnahme der Bewehrung entsprechend den Bewehrungsplänen des Statikers.

Darüber hinaus soll der Architekt in jedem Fall die statischen Berechnungen einsehen und sich vergewissern, ob der Statiker von den gegebenen tatsächlichen Verhältnissen ausgegangen ist.

Das war hier nicht der Fall. Denn vom Architekten könne man erwarten, dass er jedenfalls den vom Statiker gewählten Stabdurchmesser und Abstand der einzelnen Stäbe in einer statischen Berechnung zu finden vermag und mit den Angaben in den zugehörigen Bewehrungsplänen vergleichen kann. Der Architekt hätte angesichts der Widersprüchlichkeit der ihm zur Verfügung gestellten statischen Unterlagen klären müssen, von welchem Stabdurchmesser ausgegangen werden soll.

Nicht einmal auf ein Mitverschulden des Statikers kann sich der Architekt gegenüber dem Bauherrn berufen. Denn beide haften als Gesamtschuldner, so dass der Architekt im Falle der Verurteilung auf eigene Kosten und eigenes Risiko Regress nehmen muss.



Ein Beitrag von:
Rechtsanwalt Markus Vogelheim
Weitere Infos aus
www.cbh.de

Baurechtsurteile.de Nr.684

 
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