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Home Architektenrecht Leistungspflichten Anwesenheitspflicht des Architekten bei Aushubarbeiten in kritischen Phasen

Anwesenheitspflicht des Architekten bei Aushubarbeiten in kritischen Phasen

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OLG Stuttgart, [BauR 2006, 882]

1. Der mit der Ausführungsplanung betraute Architekt hat bei Teil-Abbrucharbeiten, die eine Sicherung des bestehen bleibenden Bauwerks notwendig machen, eine schriftliche Planung zu erstellen. Der bloße Hinweis auf die DIN 4123 ist unzureichend. Diese DIN ist vielmehr in ein individuelles Planwerk umzusetzen.

2. Bei Aushub- und Unterfangungsarbeiten an einem solchen Bauvorhaben hat der objektüberwachende Architekt in besonders kritischen Phasen ständig vor Ort zu sein und die Arbeiten unter Erteilung fachkundiger Weisungen zu überwachen.

3. Der Bauunternehmer haftet für von ihm verursachte Mängel grundsätzlich allein. In Ausnahme dazu kommt eine Mithaftung des überwachenden Architekten in Betracht bei besonders schwerwiegenden Aufsichtsfehlern und im Rahmen der Überwachung besonders fehlerträchtigter Bauabschnitte.

Urteil vom 13.02.2006 - 5 U 136/05


Sachverhalt
Im Zuge von Aushubarbeiten stürzt eine Giebelwand des Hauses, in die für den Anbau ausgehobene Baugrube. Die Haftpflichtversicherung des Bauunternehmers gleicht den entstandenen Schaden an den Grundstückseigentümer aus, nimmt aber den planenden und überwachenden Architekten auf hälftigen Schadensersatz aus dem Gesamtschuldnerausgleich in Anspruch.

Entscheidung
Das OLG sieht ein Drittel als gerechtfertigt an, eine weitergehende Haftung in Höhe von 50 % hingegen erscheint als überzogen. Für den eingetretenen Schaden haften Bauunternehmer und bauüberwachender Architekt als Gesamtschuldner für den eingetretenen Schaden. Nach Ansicht des OLG ist der bauüberwachende Architekt in höherem Maße zur Überwachung verpflichtet, wenn er lückenhaft geplant oder wenn er nur mündliche Anordnungen auf der Baustelle getroffen hat. Der Architekt muss sich vergewissern, dass die Planungslücken in der Ausführung beseitigt oder mündlichen Anordnungen befolgt werden. Nur ausnahmsweise sind bei handwerklichen Selbstverständlichkeiten oder bei klaren Ausführungsvorgaben mündliche Angaben zur Ausführungsplanung aus DIN-Vorschriften zulässig.


Baurechtsurteile.de Nr.610

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