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Was muss der Architekt überwachen?

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LG Itzehoe, Urteil vom 01.08.2005 - 2 O 221/04

Geklärt ist, dass der Architekt kritische Bauabschnitte überwachen muss. Tut er dies nicht,
so haftet er gegenüber seinem Bauherren für Fehler, welche auf diese wesentlichen Arbeiten
zurückzuführen sind.
So einfach dieser Grundsatz, so schwer ist die jeweilige Konkretisierung im Einzelfall. Exemplarisch
mag dies an folgender Entscheidung des Landgerichts Itzehoe dargelegt sein.
Im dortigen Falle hatte der Architekt die Putzarbeiten nicht überwacht.

Soweit sei, so das Gericht, grundsätzlich davon auszugehen, dass das Verputzen keine wesentliche
Arbeit ist. Eine Extrabeaufsichtigung der Verputzertätigkeiten ist also normalerweise nicht
notwendig.

Im vorliegenden Fall hatte allerdings der Putz auch eine wesentliche funktionale Bedeutung. Aufgrund
der Ausführungen der Betonarbeiten hatte der Putz Schutz gegen Schlagregen zu bieten. Dies allerdings
konnte er deswegen nicht, weil der Putzer auf diese speziellen Qualifikationen des Putzes nicht abgestellt
hatte. Da damit das funktionale Wesen des Hauses eingeschränkt wurde, hätte der Architekt diese
Arbeiten überwachen müssen. Dies hatte er im vorliegenden Falle nicht getan. Sein Bauherr konnte
ihn daher auf Haftung in Anspruch nehmen. Daran zeigt sich, dass alle Arbeiten, welche nach den
eigenen Planungen des Architekten eine wesentliche Funktion für das Haus selbst haben, vom
Architekten zu überwachen sind. Dies kann im Gegensatz zu der Erkenntnis stehen, dass
handwerkliche Selbstverständlichkeiten allgemein nicht zu überwachen sind.

Insofern kann sich der Architekt dem Grunde nach auf das Spezialwissen des Handwerkers verlassen.

Quelle:
Rechtsanwälte van Vliet, Schabbeck & Zickgraf
Ludwigstrasse 73
67059 Ludwigshafen
www.ra-vsz.de

Baurechtsurteile.de Beitrag 502
 
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