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Home Architektenrecht Leistungspflichten Zur Überwachungstätigkeit des Architekten


Zur Überwachungstätigkeit des Architekten

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OLG Hamm, Urteil vom 23.11.2004, Az. 21 U 13/04

Architekten haben bekanntlicherweise wesentliche Bauabschnitte vor Ort zu überwachen. Dabei
entbrennt immer wieder Streit ob der Frage, welche Bauabschnitte wesentlich sind und was eine
Überwachung bedeutet.

BGB a.F. § 635 Abs. 1

Im vorliegenden Fall hatte sich der Architekt darauf berufen, dass eine Überwachungsarbeit
durch ihn nur begrenzt geschuldet gewesen sei, man habe schließlich eine entsprechende Fachfirma
beauftragt. Die anspruchsvollen Arbeiten, ein „frisch in frisch“ Estrich, änderten hieran nichts.

Diesen Einwand lässt das Gericht nicht ausreichen. Es verweist darauf, dass die Anforderungen an die
Überwachungspflichten von der Schwierigkeit der Baumaßnahme abhängen und eine Kontrolle an
deren Ende nicht ausreicht, wenn diese ein hohes Mangelrisiko aufweisen. Ausreichende
Wahrnehmung der Kontrollverpflichtung bedeutet, dass der Architekt verpflichtet ist, Kontrollen zu
Beginn der Arbeiten oder auch mehrmals täglich oder sogar dauerhaft durchzuführen.

Es käme, so das Gericht, auch nicht darauf an, dass vor Ort andere, geschulte und zuverlässige
Aufsichtspersonen die Arbeiten überwachen.

Die Entscheidung ist richtig, der Architekt hat, als Interessensvertreter des Bauherren eigene
Prüftätigkeiten vor Ort durchzuführen und darf sich gerade nicht auf den Sachverstand der zu Prüfenden
verlassen. Auch der Umfang der Aufsichtsmaßnahmen ist, je schadensträchtiger,
desto höher und umfassender. Dabei ist nicht unbedingt die Häufigkeit der Überwachungen alleine
der wesentliche Faktor der Aufsichtspflicht, vielmehr wird vom Architekten verlangt, dass er zu den
Terminen vor Ort ist, an denen besonders schadensgeneigte Arbeiten durchgeführt werden.

Quelle:
Rechstanwälte van Vliet, Schabbeck & Zickgraf
Ludwigstrasse 73
67059 Ludwigshafen
www.ra-vsz.de

Baurechtsurteile.de Beitrag 442
 
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