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Mit Bachelor-Studium in die Architektenliste

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VG Stuttgart, Az.: 4 K 3280/08

Wie das Verwaltungsgericht Stuttgart entschieden hat, reicht ein 3-jähriges Studium mit Bachelorzeugnis aus, um in die Architektenliste aufgenommen zu werden und die Berufsbezeichnung "Architekt" zu führen. Lesen Sie die Pressemeldung des Gerichts und eine Stellungnahme der Bundesarchitektenkammer.

Der Fall:

Der Kläger schloss im Februar 2007 erfolgreich ein Architekturstudium an einer Fachhochschule nach drei Jahren mit dem Bachelorzeugnis ab. Seinen Antrag, ihn als Architekten (hier: als Architekt im Praktikum) in die hierüber geführte Liste bei der Architektenkammer einzutragen, lehnte diese im Juni 2008 ab. Zur Begründung führte die Architektenkammer aus, ein nur dreijähriges Studium reiche nicht als Nachweis eines Studienabschlusses im Sinne des Architektengesetzes des Landes Bad.-Württ. aus; hierfür sei ein vierjähriges Vollzeitstudium erforderlich. Auch nach der europarechtlichen Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen seien vier Studienjahre Mindestvoraussetzung.

Die 4. Kammer des Verwaltungsgerichts führte aus:

Der Kläger habe einen Anspruch auf die begehrte Eintragung in die Architektenliste. Er besitze die Berufsbefähigung nach dem Architektengesetz. Denn sein erfolgreich abgeschlossenes Bachelor-Studium in Architektur reiche hierfür nach den landesrechtlichen Bestimmungen aus. Auch der Bachelorabschluss sei im Sinne des Landeshochschulgesetzes der Regelabschluss eines Hochschulstudiums. Die europarechtliche Richtlinie regle (nur) die Voraussetzungen für die Anerkennung einer im Ausland durchgeführten Architektenausbildung im Inland; unmittelbare Anforderungen an die Ausgestaltung der nationalen Eintragungsvoraussetzungen würden in der Richtlinie dagegen nicht geregelt. Ein vierjähriges Vollzeitstudium zu verlangen sei auch nicht mit dem Vertrauensschutz von Absolventen der neuen Studiengänge vereinbar. Wer sich im Vertrauen auf die geltenden Regelungen einer berufsqualifizierenden Bachelorausbildung unterziehe, dürfe nach deren Abschluss vor der Aufnahme des angestrebten Berufs allenfalls dann vor zusätzliche Hürden gestellt werden, wenn sich diese zu Beginn der Ausbildung klar abzeichneten. Dies sei hier aber nicht der Fall gewesen.

Die Kammer hat die Berufung wegen grundsätzlicher Bedeutung der Rechtssache zugelassen.

Quelle: VG Stuttgart

Stellungnahme der Bundesarchitektenkammer


Das Verwaltungsgericht Stuttgart hat in erster Instanz ein Urteil gefällt, wonach ein dreijähriges Bachelor-Studium zum Erwerb der Berufsbezeichnung "Architekt" berechtigt.

Professor Arno Sighart Schmid, Präsident der Bundesarchitektenkammer: "Mit dem Urteil wurde dem klagenden Architekten-Anwärter ein Bärendienst erwiesen. Selbst wenn die Entscheidung Bestand haben sollte, wird ihm die europäische sowie die internationale Bühne versperrt bleiben. Gleichzeitig untergraben die Richter damit den bisher gültigen Ausbildungsstandard von deutschen Architekten und gefährden so die Anerkennung der Eintragung in die Architektenlisten der deutschen Architektenkammern auf der europäischen und internationalen Ebene."

Das Urteil macht deutlich, dass eine Reform der Bachelor-/ Masterstudiengänge dringend geboten ist, mit einem dreijährigen Studium ist absehbar keinem Architekturstudenten geholfen. Die Idee des Bologna-Prozesses, nämlich eine europaweite Vereinheitlichung von Studienabschlüssen, wird hier jedenfalls ad absurdum geführt. Denn dem klagenden Architekten-Anwärter wird der europäische sowie internationale Markt versperrt bleiben, da hier Ausbildungszeiten von vier bzw. fünf Studienjahren vorgeschrieben sind.

Klar ist aber auch, dass dieser Konflikt nicht auf dem Rücken der Studierenden ausgetragen werden darf. Gefragt sind jetzt Politik, Hochschulen und Verbände, um endlich nachzusteuern. Die Architektenkammern in Bund und Ländern stehen dafür bereit.

Corinna Seide - Bundesarchitektenkammer
 
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