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Haftung des Architekten f├╝r Schallschutzm├Ąngel

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OLG Stuttgart, Urteil vom 14.02.2008 - 2 U 73/07 

Architekt A. wendet sich mit folgendem Problem an die AK NW:
Ich habe ein Mehrfamilienhaus geplant. Dem vom Bauherrn B. beauftragten Statiker S. habe ich meine Pl├Ąne zur Verf├╝gung gestellt, um u. a. den Schallschutz zu planen. Dieser hat ├╝bersehen, dass es sich bei einer bestimmten Wand - einer 24er Wand - um eine Wohnungstrennwand handelt, sondern nimmt irrt├╝mlich eine Raumtrennwand an. Hintergrund seines Irrtums war, dass es sich bei dem betreffenden Wohnraum um eine Einliegerwohnung handelte und hier keine K├╝che in den Pl├Ąnen eingezeichnet war. Daher berechnete der Statiker den Schallschutz falsch. Hafte ich neben dem Statiker f├╝r diesen Fehler? Ein Beirag der Architektenkammer NRW.


Eine Haftung des Architekten neben derjenigen des Sonderfachmanns setzt voraus, dass dem Architekten ein f├╝r den festgestellten konkreten Schaden miturs├Ąchlicher Vertragsversto├č in Form eines Planungs- oder ├ťberwachungsfehlers anzulasten ist. Daran fehlt es hier.Nach einer Entscheidung des OLG Stuttgart vom 14.02.2008 (Az. 2 U 73/07) wurde in einem ├Ąhnlichen Fall entschieden: ÔÇ×Hat der Bauherr mit dem Statiker und mit dem Architekten selbstst├Ąndige Vertr├Ąge abgeschlossen, so haftet jeder von beiden ihm gegen├╝ber nur f├╝r die Erf├╝llung der von ihm in seinem Vertrag ├╝bernommenen Verpflichtungen.ÔÇť Nur im Einzelfall kann ein Gesamtschuldnerverh├Ąltnis von Architekten und Sonderplaner vorliegen, wenn beide mangelhafte Leistungen erbringen und diese zu einem Mangel am Bauwerk f├╝hren.

Das ist hier jedoch nicht gegeben. Der Architekt hat dem Sonderfachmann eine unmissverst├Ąndliche Planung vorgelegt. Daraus h├Ątte der Statiker die ihm vertraglich obliegende Aufgabe eindeutig erkennen k├Ânnen. Der Umstand, dass in der Einliegerwohnung keine K├╝che eingezeichnet war, ist unerheblich. Auch in einem vorhandenen Wohnraum kann eine einfache K├╝chenzeile problemlos eingebaut werden. Dies ist bei Einliegerwohnungen h├Ąufig der Fall.

Auch aus dem Gesichtspunkt der ├ťberpr├╝fung der Leistungen des Statikers ergibt sich hier kein Fehlverhalten des Architekten. Es ist nicht Aufgabe des Architekten, die Arbeit eines Sonderfachmanns im Detail zu ├╝berpr├╝fen. Zu den Vertragspflichten des Architekten gegen├╝ber dem Bauherrn geh├Ârt allein die ├ťberpr├╝fung, ob die Planung des Sonderfachmanns keine grundlegenden M├Ąngel aufweist. Das OLG Stuttgart f├╝hrt dazu aus: ÔÇ×Ein solch grundlegender Mangel ist nur anzunehmen, wenn er auch ohne fachspezifische Kenntnisse zu erkennen ist.ÔÇť Hat der Bauherr Fachplaner beauftragt, so obliegt dem Architekten nicht die ├ťberwachung dieser Sondergewerke. Diese ├ťberpr├╝fung der Leistungen von Fachplanern k├Ânne sich allenfalls auf offensichtliche Fehler beziehen. In dem von Ihnen geschilderten Fall ist daher eine Haftung des Architekten nicht gegeben. Es haftet allein der Fachplaner.

Praxishinweis:

Die oben angef├╝hrte, f├╝r Architekten sehr erfreuliche Entscheidung des OLG Stuttgart f├╝hrt nochmals detailliert aus, welche Grunds├Ątze gegeben sein m├╝ssen, um eine gesamtschuldnerische Haftung zwischen einem Architekten und einem Fachplaner begr├╝nden zu k├Ânnen.

Quelle: Architektenkammer NRW
 
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