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Architekt haftet für nicht DIN-gerecht hergestellte Bodenplatte auch ohne Feuchtigkeitseintrit

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OLG Köln, Urteil vom 30.04.2003 – 13 U 207/01

1. Die Planung der Bauwerksabdichtung muss zu einer fachlich richtigen, vollständigen und dauerhaften Abdichtung führen.

2. Eine nicht DIN-gerechte Bodenplatte ist mangelhaft und löst Schadenersatzansprüche aus, auch wenn der Mangel noch nicht zu Feuchtigkeitseintritten geführt hat.

Ein Architekt plante für den Auftraggeber ein nichtunterkellertes Einfamilienhaus. Dabei berücksichtigte er nicht die für die Bodenplatte erforderliche Feuchtigkeitsabdichtung gemäß DIN 18195, Teil IV, Abschnitt 5.1.4. Der Bauherr erbrachte die Arbeiten an der Bodenplatte anhand der fehlerhaften Planung in Eigenleistung. Später wurde durch einen Gutachter festgestellt, dass der Bodenaufbau nicht der geltenden DIN entspricht. Der Bauherr klagte gegen den Architekten auf Ersatz der Kosten für die Mangelbeseitigung in Höhe von 34.165,44 DM. Der Architekt verteidigte sich mit dem Argument, dass Feuchtigkeit nicht aufgetreten ist.

Die Klage des Bauherren hat Erfolg. Grundsätzlich muss die Planung eines Architekten zu einer fachlich richtigen, vollständigen und dauerhaften Abdichtung führen. Abdichtungsarbeiten sind grundsätzlich besonders schadensträchtig. Dies trifft auf die hier vorliegende Abdsichtung der Bodenplatte bei einem nicht unterkellerten Haus in besonderer Weise zu. Deshalb ist regelmäßig eine Detailplanung erforderlich. Verzichtet der Architekt darauf, muss er im Rahmen der Objektüberwachung mündliche Ein- und Anweisungen erteilen. Unterlässt er dies und kommt es dadurch zu einer nicht DIN-gerechten Ausführung der Bodenplatte, haftet der Architekt auch ohne den Eintritt von mangelbedingten Schäden. Ein Schaden liegt bereits in der nicht DIN-gerechten Bodenplatte.


Tipps:

Die zum alten Schuldrecht getroffene Entscheidung würde auch nach neuem Schuldrecht nicht anders getroffen werden. Gemäß § 633 BGB n.F. besteht ein Mangel bereits dann, wenn die Planung und Ausführung nicht den anerkannten Regeln der Technik entspricht. Zu den anerkannten Regeln der Technik gehören im Bereich des Baurechts insbesondere die DIN-Vorschriften. Sofern diese nicht eingehalten werden, liegt ein Mangel vor, ohne dass die Gebrauchstauglichkeit des Werkes dadurch beeinträchtigt sein muss. Dieser Grundsatz ist nicht nur für Architekten als Auftragnehmer von Bedeutung, sondern insbesondere für den Bauherren. Dieser ist deshalb gut beraten, bereits während der Ausführung durch eine entsprechende Überwachung die Arbeiten regelmäßig kontrollieren zu lassen.

Volltext beim OLG Köln


Ein Beitrag von:
Rechtsanwalt Mike Große

www.lange-baurecht.de

Baurechtsurteile.de Beitrag 110
 
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